Redefreiheit und Kunstfreiheit sind nicht nur tragende Säulen jeder demokratischen Gesellschaft, sondern auch der Raum, den wir Filmschaffende brauchen, um unsere Kunst zu gestalten. Wir sind erschrocken über die Verletzung dieses Raumes und den Versuch der politischen Einflussnahme in Bezug auf die Leitung eines der bekanntesten und bedeutendsten Filmfestivals der Welt.
Die Berlinale galt schon immer und zu Recht, als das politischste der A-Festivals. Das Festival und ihre Leitung haben Filme eingeladen – Werke internationaler Filmschaffender – und diese für sich sprechen lassen. Und sie haben auch die Filmschaffenden selbst sprechen lassen. Genau das ist der Kern eines unabhängigen Filmfestivals: künstlerische Ausdrucksformen zu präsentieren, Debatten zu ermöglichen und unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen.
Ein internationales Festival wie die Berlinale ist kein politisches Gremium. Es ist ein Ort der Kunst, des Austauschs und der Vielstimmigkeit. Das politische Problem des Israel-Palästina-Konflikts ist, neben vielen anderen Themen, Gegenstand künstlerischen und filmischen Schaffens. Die Kunst muss Räume schaffen – auch für kontroverse, schmerzhafte und widersprüchliche Stimmen.
Kunstfreiheit bedeutet nicht Zustimmung zu einzelnen Positionen, sondern die Verteidigung des Rechts, sie zu äußern. Eine politische Einflussnahme auf die inhaltliche Gestaltung eines Filmfestivals würde fundamentale Prinzipien gefährden, für die die Berlinale seit Jahrzehnten steht. Es geht um weit mehr als nur eine Personalentscheidung. Dieser Versuch der Einmischung ist ein gefährliches Signal, das weit über das Festival hinausreicht.
Die Deutsche Filmakademie steht für den Schutz der Kunstfreiheit und die Autonomie kultureller Institutionen. Wir appellieren daher an die politisch Verantwortlichen, die Unabhängigkeit der Berlinale zu garantieren und zu respektieren und die Debatte mit Augenmaß zu führen. Kultur darf nicht zum Spielball politischer Auseinandersetzungen werden.
Präsidentin Vicky Krieps, Präsident Florian Gallenberger
Vorstandsvorsitzender Martin Heisler, Geschäftsführerin Anne Leppin,
Der Vorstand der Deutschen Filmakademie
im Namen der Deutschen Filmakademie
Unterzeichner:innen:
David Bernet
Ilker Çatak
Jonas Dassler
Fabian Gasmia
Martin Hagemann
Julia von Heinz
Irene Höfer
Janine Jackowski
Daniel Kehlmann
Volker Schlöndoff
Margarethe von Trotta
Tobias Walker
Wim Wenders
David Wnendt
Maryam Zaree
AG DOK – Berufsverband Dokumentarfilm
AG Filmfestival – Verband der Filmfestivals in Deutschland
Bundesverband Regie e.V. (BVR)
Deutscher Drehbuchverband (DDV)
HDF KINO
PROG Producers of Germany