Sehr geehrtes Präsidium der Friedrich-Schiller-Universität Jena,
die Friedrich-Schiller-Universität Jena wirbt mit Exzellenz in Forschung und Lehre. Diese Exzellenz wird auch von den zahlreichen studentischen und wissenschaftlichen Assistenzen ermöglicht, die täglich Lehre und Forschung unterstützen. Umso unverständlicher ist es, dass die Löhne vieler Assistenzen trotz des Tarifabschlusses im Februar 2026 nicht in einem angemessenen Maß angehoben wurden. Aktuell liegt der Lohn an der FSU für studentische und wissenschaftliche Assistenzen mit Bachelorabschluss bei 15,20 €/h.
Was in Thüringen und bundesweit bisher üblich war: Wer einen Bachelorabschluss hat und als wissenschaftliche Assistenz arbeitet, verdient mehr als eine Assistenz ohne Abschluss. Genau damit hat das Thüringer Finanzministerium jetzt gebrochen: Mit der neuen Verwaltungsvorschrift vom 10. Juni 2026 wurde dieser Lohnabstand abgeschafft. Jedoch gewährt diese Vorschrift auch die Möglichkeit, diese Grenzen um 10 % zu überziehen. Andere Hochschulen nutzen diese Möglichkeit bereits. An der Uni Erfurt verdient man mit Bachelorabschluss 16 € und mit Masterabschluss 17 €, an der Uni Weimar sogar 18 €. Damit die Abschlüsse nicht vollständig entwertet werden, muss die FSU diesen Spielraum nutzen und faire Löhne bezahlen.
Wir fordern daher eine sofortige Anpassung der Stundenlöhne auf 16 Euro für wissenschaftliche Assistenzen mit Bachelorabschluss und 17 Euro für wissenschaftliche Assistenzen mit Masterabschluss und eine dauerhafte Wertschätzung dieser Abschlüsse.
Unsere Forderung begründen wir folgendermaßen:
1. Gleiche Arbeit verdient gleiche Anerkennung
Wir wollen keine Trennung zwischen den Hochschulen Thüringens. Unterschiedliche Vergütungen für vergleichbare Tätigkeiten schaffen Ungleichheiten, die weder nachvollziehbar noch gerecht sind. Die Universitäten und Hochschulen des Landes sollten ihre studentischen und wissenschaftlichen Beschäftigten gleich behandeln und ihnen vergleichbare Arbeitsbedingungen bieten. Die EAH in Jena, die Bauhaus-Uni Weimar und die Uni Erfurt zahlen bereits auf Grundlage der TdL-Richtlinie (und ihrem Spielraum) 16 € für Assistenzen mit Bachelorabschluss und mindestens 17 € für Masterabsolvent:innen.
2. Jena darf für Studierende nicht weiter an Attraktivität verlieren
Sinkende Studierendenzahlen, „Langzeit"-Studiengebühren und lange Wartezeiten beim BAföG-Amt machen Thüringen für Studierende ohnehin schon unattraktiv. Die teuren Mieten in Jena (bei schwer zu ergatternden Wohnheimplätzen) stellen Studierende vor zusätzliche Herausforderungen.
Eine unterdurchschnittliche Bezahlung wissenschaftlicher Hilfskräfte verschärft dieses Problem. Wer qualifizierte Studierende gewinnen und halten will, muss ihnen auch faire Arbeitsbedingungen bieten.
3. Qualifikation und wissenschaftliches Engagement müssen wertgeschätzt werden
Ein Bachelorabschluss steht für eine akademische Qualifikation, die an der Universität erworben wird. Es ist widersinnig, wenn ausgerechnet die Universität diese Leistung nicht auch monetär anerkennt. Löhne sind zentraler Ausdruck von Wertschätzung, die einer Arbeit entgegengebracht wird – wer hier spart, sendet ein Signal der Geringschätzung. Wissenschaftliche Assistenzen sind ein wichtiger Bestandteil einer funktionierenden Uni und waren außerdem Teil der letzten Streikbewegung. Als solche müssen sie anerkannt werden. Nur durch eine angemessene Vergütung lassen sich wissenschaftlich interessierte Studierende dauerhaft für Forschung und Wissenschaft gewinnen.
4. Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit brauchen fairen Lohn
Darüber hinaus können es sich derzeit oft nur diejenigen leisten, für vergleichsweise geringe Bezahlung an der Universität zu arbeiten, die finanziell ausreichend abgesichert sind. Viele Studierende müssen stattdessen besser bezahlte Tätigkeiten außerhalb der Wissenschaft annehmen. Eine angemessene Vergütung trägt dazu bei, Bildungsungleichheiten abzubauen. Studierende können dadurch unabhängig von ihrer finanziellen Situation wissenschaftliche Erfahrungen sammeln und ihre Fähigkeiten in den Wissenschaftsbetrieb einbringen.
Deshalb:
Wir fordern daher eine sofortige Anpassung der Stundenlöhne auf 16 Euro für wissenschaftliche Assistenzen mit Bachelorabschluss und 17 Euro für wissenschaftliche Assistenzen mit Masterabschluss und eine dauerhafte Wertschätzung dieser Abschlüsse.
Eine exzellente Universität braucht exzellente Arbeitsbedingungen. Wer wissenschaftliche Arbeit wertschätzt, muss auch die Menschen wertschätzen, die sie leisten und ermöglichen.
Mit freundlichen Grüßen,
TVStud Jena und Unterzeichner:innen