7 June 2026
Offener Brief an den Kreisverband

Lieber Kreisverband,

Wir sind die außerparlamentarische Linke, und wir sind frustriert, dass uns manche in diesem KV nicht zuhören oder uns nicht erstnehmen. Wir sind frustriert, dass man unsere Arbeit behindert; die Arbeit, die den Menschen auf Augenhöhe begegnet und sie abholt. Die unsere Werte umsetzt. Die uns unsere Wählerschaft gewinnt. Deswegen fordern wir ein, dass man unsere und damit eure Arbeit nicht länger behindert. Deshalb fordern wir einen Ort zum Arbeiten ein. Zum Treffen, zum Vernetzen und zum Verweilen. Einen Ort, der über vernünftige Räume verfügt und zu vernünftigen Uhrzeiten sowie mit vernünftigem Aufwand zu organisieren ist. Wir fordern ein neues Büro ein.

Wir sind diejenigen, die unsere Demos organisieren, unsere Infostände, Flyer–Aktionen, Haustürgespräche. Wir sind die, die die Ortsgruppen zusammenhalten, AKs zum arbeiten bekommen und Plena schaffen. Wir sind Schülerinnen, Studentinnen, Azubis und Arbeiter*innen, und damit diejenigen, die unsere Arbeit intersektional machen: feministisch, queer, migrantisch, barrierefrei und inklusiv. Diejenigen, die Menschen zusammenbringen, miteinander diskutieren, lernen und arbeiten. Wir sind die Basis.

Der nun zurückgetretene Vorstand hat uns, der aktiven Basis, nicht nur zugehört und unsere Anliegen unterstützt, sondern ist auch ein aktiver Teil dieser Basis. Ihre Beobachtungen und Analysen teilen wir dementsprechend vollständig. Deshalb sind wir umso frustrierter, dass sie monatelang derartige, teilweise bösartige Kritik dafür bekamen und sind vom Rücktritt erschüttert.

Wir sind kein lustiger Wahlverein, dessen Arbeit voll auf die Wahlen ausgerichtet ist oder sein sollte. Wir werden uns definitiv nicht verbiegen und unsere Inhalte nicht verwässern, nur um ein paar Prozentpünktlichen mehr zu bekommen. Wir verraten mal was: Wenn man die ganze Zeit über gute Arbeit macht, wenn man den Menschen in der Realität zuhört, ihre Probleme wahrnimmt und sie politisch aktiviert, dann klappt das mit den Wahlen von selbst. Und wir widersprechen deutlich dem Glauben mancher, dass Parlamente für unsere Arbeit den großen Unterschied machten. Wenn die Menschen uns nicht vertrauen können, dann werden sie uns nicht wählen. Und Vertrauen gewinnt man nicht durch Wahlkampf.

Die Ortsgruppen und die Basis sind für unsere gesamte Arbeit das Fundament, und das scheinen manche im Kreisverband vergessen zu haben. Auch die alltägliche Arbeit der Basis ist ausschlaggebend für Wahlerfolge. Aber die OGs, unsere AKs, aber auch die Solid und der SDS müssen Abgeordnete nicht stützen, und wenn sie keinen Platz und keinen Raum bekommen, um sie zu stützen, wird es noch schwieriger. Denn Mandate sind schön, aber bringen sie etwas, wenn niemand da ist, der die Politik auch in die Lebensrealität der Menschen trägt? Von daher ist eine solidarische Zusammenarbeit notwendig, die die Mühen der Basis anerkennt, statt diese aktiv für die eigenen Interessen zu beeinträchtigen.

Ansonsten werden wir dafür, wie wir behandelt werden, ganz sicher keinen Wahlkampf machen und müssen über unsere Aktivität im KV im Allgemeinen nachdenken. Und bedenkt, dann fallen die Demos, die Infostände, die Haustürgespräche, die Feste, die Social Media–Arbeit und vieles weitere weg. Der Bezug und Kontakt zu den Bürger*innen, unserer Wählerschaft, sind zerstört. Und dann habt ihr selber dafür gesorgt, dass eure Angst vor sinkenden Beiträgen Realität wird.

16
signatures
  1. Felix Rossmann, Demo-Orga, Bündnisse, AK Schneeball, Bonn
  2. Jonathan Schildberg, Linksjugend/Haustürgespräche/FAK Verkehr
  3. Mia Esser, OG Hardtberg, AK Verkehr, Haustürgespräche, Die Linke Bonn, Bonn
  4. Sabine Ludwig, Rentnerin, AK Abtreibung, Haustürgespräche, Die Linke Bonn, Bonn
  5. Christian Voß, Technischer Leiter, OG WEPOP/Demo, Bonn
  6. Emil van de Bruck, LPT-Ersatzdeli, Bonn
  7. Janina Martin, OG Süd, Linksjugend, Die Linke Bonn, Bonn
  8. Nina Frey, Sozialarbeiterin, OG WestEndPopp, AK Verkehr, Bonn
  9. Ben Boxberg, Linksjugend/WestEndPopp/SDS, Bonn
  10. Matthis Engqvist, Student, Linksjugend ['solid], Bonn
  11. Maria Shammas, MigraPlenum, L-&BPT Deli, OG WEP, Demos, Haustürgespräche, Die Linke Bonn, Bonn
  12. anonymous, Awareness
  13. Fabian Thomaschewski, Schulbegleiter, OG Sprecher WestEndPopp, Bonn
  14. David Raschke, Die Linke OG WestEndPopp, Bonn
  15. Tristan Kock, Sachbearbeiter, Linksjugend Solid, Sol, OG Hardtberg
  16. Miriam Glora, AK Abtreibung, OG Altstadt/Nord, Bonn