
Liebe Oda Artecura, Berufsdachverband der Schweizer Kunsttherapieverbände
Als Kunsttherapeut:innen verschiedener Fachrichtungen schauen wir mit Sorge auf Tendenzen in der Gesundheitspolitik und auf dem Arbeitsmarkt. Es ist für uns belastend, dass der Stellenwert der Kunsttherapie im klinischen Setting sowie auch in selbständiger Praxis zunehmend angreifbar wirkt: Es werden neue Tarife ausgestaltet, von denen unsere Fachbereiche ausgeschlossen sind, Krankenkassen bauen die Kostendeckung ab und andere Berufe übernehmen kunsttherapeutische Aufgaben und «verwässern» unseren Berufsstand.
Wir haben viel in unsere Ausbildungen investiert. Viele von uns sind existenziell darauf angewiesen, als Kunsttherapeut:innen im Gesundheitswesen ihr Geld zu verdienen.
Wir bitten Sie deshalb, sich unsere Anliegen zu Herzen zu nehmen und uns Kunsttherapeut:innen mitzuteilen, was berufspolitisch von Ihrer Seite geplant ist, um uns in dieser prekären Zeit und auch längerfristig zu unterstützen.
Vielen Dank.
Das Initiativkomitee
AUS UNSERER SICHT SIND FOLGENDE MASSNAHMEN NÖTIG:
Im Bereich der Berufsförderung:
• Die Kunsttherapien in der Schweiz müssen als reglementierte Berufe auf dem Arbeitsmarkt bekannter gemacht werden.
• Die Kunsttherapien sind in der medizinisch-psychiatrischen Landschaft fest zu etablieren (medizinische Fachmagazine, Tagungen, Plattformen); die Positionierung der Kunsttherapie als wichtiger Bestandteil der psychiatrischen Versorgung muss verstärkt werden.
• Es müssen mehr Stellen geschaffen werden, die durch ausgebildete Fachpersonen zu besetzen sind.
• Der Berufstitel ist zu schützen (Überbegriff Kunsttherapie und die diversen Fachrichtungen als solche). Dafür braucht es eine Instanz auf Ebene des Dachverbandes, die interveniert, um den Berufstitel zu schützen.
• In alle genannten Aktivitäten müssen auch die Ausbildungsstätten eingebunden werden (in Bezug auf Praktikumsstellen, Lobbyarbeit bei potentiellen Arbeitgeber:innen & Versicherungen).
• Die Öffentlichkeitsarbeit ist zu verstärken (Fachmagazine, Tagungen, Online-Plattformen, Zeitungen/Social Media).
• Und es braucht detailliertere Informationen für Kunsttherapeut:innen über berufspolitische Entwicklungen und das angestrebte Vorgehen des Berufsdachverbands (z. B. über einen Newsfeed).
Im Bereich der Berufsentwicklung:
• Der Dachverband sollte Einsitz haben in relevanten Organisationen und Gremien, um mögliche Entwicklungen mitbeeinflussen zu können = Mitwirkung bei den Rahmenbedingungen in der Schweizer Gesundheitspolitik.
• Wir wünschen uns von der Oda Artecura proaktives Verhalten, damit vorausschauend künftige Entwicklungen erkannt und auch mitgestaltet werden können.
• Die Finanzierung der Kunsttherapien über die Zusatzversicherungen muss nachhaltig gestärkt werden.
• Langfristig ist die Abrechnung über die Grundversicherung – analog zur Ergotherapie – anzustreben.
Im Bereich der Ausbildung:
• Die Frist für die Beantragung der Bundesbeiträge (derzeit 7 Jahre nach Ausbildungsbeginn, d.h. 2 Jahre nach Berufsabschluss) ist zu überprüfen. In Anbetracht der eingeschränkten Arbeitsmarktsituation führt sie häufig dazu, dass Student:innen ihren Anspruch nicht fristgerecht geltend machen können und die Bundesbeiträge verfallen. Es muss sichergestellt werden, dass alle Anspruchsberechtigten die Bundesbeiträge (Subjektfinanzierung) erhalten können. Die aktuell geltende Frist bildet die realen Berufsverläufe unzureichend ab und kann von vielen Absolvent:innen nicht eingehalten werden, was zu struktureller Chancenungleichheit führt.
WARUM DIES WICHTIG IST:
Die Oda Artecura hat tatkräftig die Berufsbildung in den Kunsttherapien vorangetrieben, hat Inhalte der Ausbildungen angeglichen und einen eidgenössischen Abschluss mit der «Höheren Fachprüfung» auf Tertiärstufe ermöglicht. Auch die Stellenerhöhung im Dachverband ist im Hinblick auf die steigenden Anforderungen ein wichtiger Schritt. Vielen Dank für das unaufhörliche Streben nach Verbesserung!
Nun rüttelt es im Gesundheitswesen. Die jüngsten Entwicklungen rufen nach einer neuen Stossrichtung:
• Der Wegfall der Kunsttherapien aus den ambulanten Leistungen in der Psychiatrie mit der Umstellung auf TARDOC.
• Immer mehr Zusatzversicherungen vermindern ihre Kostenbeteiligung an kunsttherapeutischen Leistungen (Tendenzen: Ausschluss wegen Abschluss, Therapiezeitüberschreitung, Preisbegrenzung, Überweisung durch Hausarzt, Ausschluss Gruppenangebote).
• Aktuell erfolgt eine Verwässerung der Berufsbilder (Vermehrte Angebote von CAS, Kursen und Weiterbildungen, die anderen Berufsgruppen einen Teil unserer Kompetenzen überlassen, während die Stellung der Kunsttherapien nicht gefestigt ist am Markt).
• Überbrückende psychotherapeutische Angebote über KI-Apps (z. B. bei Depressionen) sollen neu von der Grundversicherung übernommen werden wegen «Fachkräftemangel», während ausgebildete Kunsttherapeut:innen über freie Therapieplätze verfügen.
• Vermehrte Konkurrenz im klinischen Markt durch Ergotherapie und Physiotherapie wegen deren Verrechenbarkeit über die Grundversicherung.
• Kostenunwahrheiten… kunsttherapeutische Leistungen werden erbracht, aber über andere Kostenstellen abgerechnet (z. B. über Spitexleistungen ambulanter Pflegefachpersonen, Ergotherapie, Psychotherapie), d.h. der Bedarf und auch das tatsächliche Ausmass an kunsttherapeutischen Leistungen werden so nicht wahrheitsgetreu abgebildet.
• Der Mangel an Stellen ist in allen Fachrichtungen spürbar, besonders leiden jedoch die Absolvent:innen der Drama- & Sprachtherapie und der Musiktherapie darunter; so ist auch eine Berufspraxis für den HFP-Abschluss schwer zu erlangen.
Wir wünschen uns vom Dachverband ein Feedback zu obigen Anliegen und mehr Unterstützung im beruflichen Alltag.
Das Initiativkomitee:
• Michèle Arnautovič-Waltenspühl, Kunsttherapeutin mit Branchenzertifikat Intermediale Therapie
• Gabriela Jaroš, Kunsttherapeutin ED Intermediale Therapie
• Sofia Klingelhoffer, Kunsttherapeutin Musiktherapie IAC i. A.
• Sara Ledergerber, Kunsttherapeutin ED Bewegungs- & Tanztherapie
• Salome Andrea Meli, Kunsttherapeutin ED Intermediale Therapie
• Elijah Strub, Kunsttherapeutin mit Kunsttherapiezertifikat Bewegungs- & Tanztherapie
• Marie-Theres Tresch, Kunsttherapeutin Mal- & Gestaltungstherapie IAC
• Therese Vonhuben, Kunsttherapeutin mit Branchenzertifikat Gestaltungs- & Maltherapie
• Sybille Wild, Kunsttherapeutin mit Kunsttherapiezertifikat Drama-& Sprachtherapie
Kontakt: [email protected]
Unterstütze auch du diese Anliegen und unterzeichne mit Vorname, Name, Ort, und (falls vorhanden) Fachrichtung, Diplom. Danke!