Sehr geehrte Damen und Herren,
wir, die unterzeichnenden Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, erklären öffentlich, warum wir unsere Mitgliedschaft bei der Techniker Krankenkasse beenden.
Mit diesem Schritt setzen wir ein gesundheitspolitisches Zeichen. Wir sehen die aktuelle gesundheitspolitische Ausrichtung der TK als nicht vereinbar mit einer nachhaltigen Stärkung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung.
Die meisten von uns sind langjährige Mitglieder, viele sind bereits von Geburt an bei der TK versichert. Als freiwillig versicherte Selbstständige sowie als angestellte Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zahlen wir über viele Jahre hohe Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung ein. Umso größer ist unsere Enttäuschung über eine gesundheitspolitische Ausrichtung, die aus unserer Sicht zentrale Prinzipien einer hochwertigen Versorgung infrage stellt.
Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Sie ist gesundheitspolitisch motiviert. Eine Krankenkasse ist nicht nur Verwalterin von Beiträgen und Leistungen. Durch ihre Positionen sowie ihre Mitwirkung in den Gremien der gemeinsamen Selbstverwaltung gestaltet sie die Zukunft unseres Gesundheitssystems aktiv mit.
Wir sehen die gesundheitspolitische Ausrichtung der TK unter ihrem Vorstandsvorsitzenden Dr. Jens Baas zunehmend kritisch. Aus unserer Sicht entfernt sich die TK immer weiter von einer konsequenten Orientierung an den Bedürfnissen der Versicherten, insbesondere der Menschen, die auf eine hochwertige ambulante psychotherapeutische Versorgung angewiesen sind und der Leistungserbringenden.
Besonders problematisch erscheint uns das von Dr. Jens Baas vertretene Leitbild „digital vor ambulant vor stationär“.[1] Digitalisierung kann die Versorgung sinnvoll ergänzen und verbessern. Sie darf jedoch nicht unter dem Deckmantel der Modernisierung dazu führen, dass persönliche ambulante Behandlung schrittweise zurückgedrängt oder durch standardisierte und kostengünstigere Versorgungsformen ersetzt wird.
Psychotherapie ist keine beliebig skalierbare Dienstleistung. Sie lebt von Beziehung, Kontinuität, Zeit und fachlicher Expertise. Diese Grundlagen sind für eine wirksame Behandlung zentral und nicht durch digitale Angebote ersetzbar.
Besonders kritisch bewerten wir zudem die Haltung der Kassenseite in den aktuellen Auseinandersetzungen um die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen. Die TK wirkt über ihre Vertreterinnen und Vertreter im Verwaltungsrat sowie in den Gremien des GKV-Spitzenverbandes an der strategischen Ausrichtung der gesetzlichen Krankenversicherung mit.[2] Der GKV-Spitzenverband brachte im Bewertungsausschuss eine Absenkung der psychotherapeutischen Vergütung um 10 Prozent als aus seiner Sicht angemessene Maßnahme ein.[3]Für uns ist dies ein falsches Signal in einer Zeit wachsender psychischer Belastungen, steigender Nachfrage nach psychotherapeutischer Behandlung und bereits bestehender Versorgungsengpässe.
Ebenso kritisch sehen wir die Positionierung der TK zum Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das aus unserer Sicht vor allem auf Einsparungen und Leistungskürzungen abzielt, ohne die langfristigen Folgen für die Versorgung ausreichend zu berücksichtigen.
Besonders schwer wiegt für uns die wiederholte öffentliche Argumentation des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), dem die Techniker Krankenkasse als mitgliederstärkste Ersatzkasse angehört. Der vdek verweist unter anderem auf übermäßig stark gestiegene Ausgaben und Honorare in der Psychotherapie, sowie auf aus seiner Sicht bestehende Notwendigkeit einer stärkeren Steuerung und effizienteren Nutzung vorhandener Versorgungskapazitäten.[5]
Aus unserer Sicht greifen solche Darstellungen zu kurz. Sie werden der Realität unseres Berufsstandes nicht gerecht und blenden die hohe fachliche Verantwortung, die Komplexität psychischer Erkrankungen sowie die tatsächlichen Anforderungen ambulanter psychotherapeutischer Arbeit aus. Eine verkürzte öffentliche Darstellung psychotherapeutischer Tätigkeit beschädigt das Vertrauen in unseren Berufsstand und erschwert die notwendige gemeinsame Arbeit an einer nachhaltigen Sicherung der Versorgung psychisch erkrankter Menschen.
Aus unserer Sicht liegen vielen dieser politischen Forderungen vor allem kurzfristige Kostenerwägungen zugrunde - obwohl Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten nachweislich eine wirksame und kosteneffiziente Versorgung leisten und dabei mit größter fachlicher Sorgfalt behandeln.
Eine Gesundheitspolitik, die ambulante Psychotherapie schwächt, spart nicht nur an Leistungen, sondern vor allem an Prävention. Unbehandelte oder zu spät behandelte psychische Erkrankungen chronifizieren häufiger und verursachen langfristig höhere menschliche und volkswirtschaftliche Kosten.
Wir haben zunehmend den Eindruck, dass wirtschaftliche Steuerungsinstrumente wie Budgetierung und Ausgabenbegrenzung stärker in den Mittelpunkt rücken als die Sicherung einer qualitativ hochwertigen Versorgung. Eine gesetzliche Krankenkasse sollte jedoch ihrem gesetzlichen Auftrag folgend in erster Linie die Interessen ihrer Versicherten vertreten.
Auch die Frage nach der Nähe zur Lebensrealität der Versicherten stellt sich für uns: Dr. Jens Baas ist selbst privat krankenversichert.[6] Gerade deshalb erwarten wir von der Führung einer gesetzlichen Krankenkasse ein besonderes Bemühen, die Perspektive der über 70 Millionen gesetzlich Versicherten zu verstehen und in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen. Viele von uns haben zunehmend nicht mehr den Eindruck, dass dies ausreichend gelingt.
Vor diesem Hintergrund können und wollen wir die Techniker Krankenkasse nicht länger als Mitglieder mit unseren Versicherungsbeiträgen mittragen , da ihre gesundheitspolitische Ausrichtung aus unserer Sicht eine starke und zukunftsfähige ambulante psychotherapeutische Versorgung erschwert.
Für uns gilt daher: „Ich bin in der TK – holt mich hier raus!“
Mit unserem Wechsel setzen wir ein Zeichen für eine Gesundheitspolitik, die psychische Gesundheit ernst nimmt, evidenzbasierte ambulante Versorgung stärkt und Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten als unverzichtbare Partner einer leistungsfähigen gesetzlichen Krankenversicherung versteht.
Unser Wechsel weg von der Techniker Krankenkasse ist kein Einzelfall. Er steht für eine wachsende Unzufriedenheit innerhalb der psychotherapeutischen Profession.
Wir sind viele - und wir werden weiterhin deutlich machen, wenn gesundheitspolitische Entscheidungen aus unserer Sicht die Versorgung von Patientinnen und Patienten gefährden.
Die unterzeichnenden Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten
Quellen
[1] Techniker Krankenkasse: „TK-Chef Baas: Digitalgesetz setzt entscheidende Weichen für den Zugang zur Versorgung“ (15.07.2026).
tk.de/presse/themen/digitale-gesundheit/digitaler-...
sowie: TK: „TK-Chef Baas zum TSVG: Versorgung wird nicht besser, wenn mehr Geld ins System geschüttet wird.“
tk.de/presse/themen/medizinische-versorgung/ambula...
[2] Techniker Krankenkasse: Arbeit in den Verbänden.
tk.de/techniker/unternehmensseiten/unternehmen/ver...
[3] GKV-Spitzenverband: „Honoraranpassung für niedergelassene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten“ (12.03.2026).
gkv-spitzenverband.de/gkv_spitzenverband/presse/pr...
[4] Öffentliche biografische Angaben und Interviews zu Dr. Jens Baas.
[5] Verband der Ersatzkassen (vdek): Forderungen und Positionen zur psychotherapeutischen Versorgung.
vdek.com/magazin/ausgaben/2023-01/psychotherapeuti...
[6] Öffentliche biografische Angaben und Interviews zu Dr. Jens Baas
Hiermit kündige ich meine Mitgliedschaft bei der Techniker Krankenkasse fristgerecht zum nächstmöglichen Zeitpunkt und bitte um eine schriftliche Bestätigung der Kündigung unter Angabe des Beendigungszeitpunkts.